Charakterisierung und Funktion der Figur Anezka

Anezka ist die Böhmin mit der Zahnlücke. Sie lernt Franz auf dem Prater kennen, lässt ihn aber alleine zurück als sie merkt, dass er ihre Aufforderung zum Gehen und – vermeintlich – Geschlechtsverkehr zu haben. Sie nennt ihn „Burschi“, da sie vier Jahre älter ist als er.
Nach dem Gespräch mit dem Professor sucht er sie und findet sie in einem einer Ruine ähnlichem Haus, in dem sie mit vielen anderen armen Mädchen aus Böhmen wohnt.
Schließlich erlebt Franz seine ersten sexuellen Kontakte mit ihr.
Franz erfährt über sie, dass sie tagsüber als Hausmädchen arbeitet und abends nackt im Hinterhof Kabarett „Zur Grotte“ tanzt.
Am Ende findet Franz sie mit einem Offizier der Gestapo in ihrem Hinterraum in der Grotte.

Anezka ist für das Handeln von Franz in dem Moment, als er sie kennenlernt, maßgeblich für die Entwicklung von Franz verantwortlich. In Anezka findet er seine erste Krise, die sich bis zum Ende durch das Buch zieht. Die sexuelle Beziehung der beiden ist der Startschuss für das Erwachsen-Werden von Franz. Selbst die Beziehung zu Freud und seine Gespräche mit ihm drehen sich fast ausschließlich um Anezka.
Als Anezka am Ende mit dem Offizier der Gestapo zusammen ist, fällt es Franz letztlich nicht schwer, sie zu verlassen; dies ist gekoppelt an seine Erfahrungen über die Flucht des Professors und dem Tod Ottos.
Fast bis zum Ende des Romans verblendet sie Franz [Über-Ich à (sexuelle) Triebe]. Diese überwindet Franz und findet zu sich selbst (Ich) und seiner Überzeugung (Über-Ich: moralische Instanzen Siegmund Freud und Otto Trsnjek). In dem Moment, wenn er sie hinter sich lässt, ist er erwachsen geworden und hat seine Entwicklung – mit Blick auf die Handlung im Roman – vollendet. 

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